Wenn man sich mit anderen Mundharmoni-kaspielern unterhält, und das Gespräch kommt auf Brendan Power, fällt bestimmt der Satz „das ist doch der, der jeden Tag eine neue Mundharmonika findet!“. Und wer Brendan kennt, weiß dass dieser Satz gar nicht so falsch ist.
Brendan Power, Neuseeländer mit irischen Wurzeln, wurde in den 90ern bekannt, als er mit seiner CD „New Irish Harmonica“ sozusagen die Mundharmonika nach Irland zurückbrachte.
Aber Brendan ist auch ein talentierter Techniker, und nutzt die Möglichkeiten die man heute mit Computer, CAD-Programm und 3-D-Drucker hat, um neue Mundharmonika zu konstruieren.
Vielleicht habt Ihr auch seine Videos gesehen, und seid beeindruckt von seinem Slip-Slider, seinem Overblow Booster oder seiner Viertelton Harmonica.
Hier ist ein kleiner Bericht über Brendans Erfindung „Asia Bend“, dass er bei Easttop in China in Serie bauen lässt.
Die Legende besagt, Brendan hätte auf seinen Reisen ins Land der Mitte, eine Einladung ins Fernsehen bekommen. Um die tiefen Bends, die bei der traditionellen chinesischen Musik verwendet werden zu spielen, musste er dazu eine neue Mundharmonika erfinden. Zu hören auf seiner CD „New Chinese Harmonica“. Dann stellte Brendan fest, dass man damit auch westliche Musik wesentlich ausdruckstärker spielen kann, und verwendet inzwischen seine „Asia Bend“ regelmäßig bei seinen Konzerten
Frage: Welcher ist der saftigste den Kanal auf einer Bluesharp, mit dem sich das meiste machen lässt? Die Antwort ist klar: Es ist Kanal 3 ziehen, der sich bis zu 3 Halbtönen herrunterbiegen lässt. Und jetzt stelle man sich eine Harmonica vor, die 24x den Kanal 3 bietet, allerdings nur den Ziehton. Und das ist das ungewöhnliche an der Konstruktion, es gibt nur Ziehtöne. Wenn das schwer spielbar erscheint, sollte daran denken, dass die normalen Blasinstrumente nur Blastöne haben, und trotzdem gut spielbar sind. Für Leute die hauptsächlich erste Position spielen, also in der Tonart der Mundharmonika, ist das natürlich eine Herausforderung. Für erfahrene Bluesharper, die hauptsächlich zweite Position spielen, wird die Umstellung leichter sein. Bekanntermaßen bestehen etliche Blueslicks nur aus Ziehtönen.
Die „Asia Bend“ schaut aus wie eine etwas klobige Chromatik. Auch die Tonanordnung kommt von der Chromatischen, wobei die Bedienung des Schiebers sozusagen das Blasen und Ziehen ersetzt. Die Töne mit „Schieber nicht gedrückt“ entsprechen den Blastönen, die mit „Schieber gedrückt“ den Ziehtönen.
Die Harmonica funktioniert komplett ohne Ventile, was sicher einigen Ärger erspart.
Die mir vorliegende „Asia Bend“ ist in C zugestimmt, auf Kanal 1 ziehen bekomme ich ein C, und wenn ich den Schieber drücke ein D. Auf Kanal 2 ist es E und F und auf Kanal 3 ein G und ein A. Wie wir es von der Chromatik gewohnt sind, bekommen wir auf Kanal vier mit gedrückten Schieber ein H und wenn wir den Schieber rauslassen ein C. Wie auf der Chromatik ist das C zweimal vorhanden, und auf Kanal 5 geht es weiter wie auf Kanal 1.
Ich bekomme also nur eine normale C-Dur Tonleiter und muss die Tonleiter-fremden Töne mit Bending spielen.
Und jetzt wird interessant: Da ich jeden Ton etwa 3 Halbtöne nach unten biegen kann, habe ich natürlich die Möglichkeit die meisten Töne auf verschiedene Arten zu erreichen. Daraus ergeben sich fantastische Möglichkeiten für die Gestaltung ausdrucksvoller Musik.
Brendan zeigt es gut in seinem Video:
Man fäng damit an, vertraute Melodien mit der Asia Bend zu spielen. Da es nur Ziehtöne gibt dauert es sicher einige Zeit, bis das „natürlich“ kommt.
Wenn man damit zurecht kommt, beginnt man „normale“ Töne durch Bendingtöne zu ersetzen. Zuerst einmal ersetzt man die Töne der „Schieber-raus“ Reihe durch Töne mit Schieber-rein und Bending. Das hat den Vorteil, dass man sozusagen mit dem Schieber seine Intonation kontrollieren kann.
Soweit bin ich inzwischen gekommen. Ich hätte das Ding wahrscheinlich früher in die Hände bekommen sollen, wenn man über 70 ist, lernt man nicht mehr ganz so schnell….
Und noch was: die Intonation beim Bending ist für viele Harpspieler ein großes Problem. Besonders der Ganztonbend auf Kanal 3, der oft im Kontrast zu den Blue Notes sauber intoniert werden muss, ist auch für einige semiprofessionelle Spieler immer noch eine Herausforderung. (Ich schließe mich da selber mit ein!) Wenn man viel mit der „Asia Bend“ spielt, trainiert man Intonation und dadurch wird die eigene Musik besser!
Vielleicht hat jemand von Euch Erfahrungen mit der Asia Bend gemacht? Oder mit anderen Erfindungen von Brendan?
Der Preis sprengt nicht die Bank (wie Brendan schreibt) 80 € direkt geschickt aus Shanghai. Bestellbar über Brendans Website: www.brendan-power.com
Und grüßt Brendan von mir!
Hier sind Links zu Brendans YouTube-Videos zur Asia Bend!
Brendan Power
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